Filmkopiereinrichtung Letzte Aktualisierung: 2009-01-25


Filmstreifen und Dias kopieren mit der Digitalkamera

Es gibt viele Argumente die gegen einen klassischen Diaprojektor sprechen. Eine Alternative ist die Betrachtung von Filmmaterial über den heimischen Fernseher oder PC. Voraussetzung ist jedoch die Digitalisierung der Dias oder Negative. Eine Methode ist das Abfotografieren mit einer Digitalkamera.

Meine im Folgenden beschriebene Methode zeichnet sich durch einige positive Eigenschaften aus::

  • Schnelle Digitalisierung durch Verwendung einer Digitalkamera
  • Hohe Wiederholgenauigkeit durch feste Fixierung der Komponenten
  • Digitalisierung der Filme bis zu den Bildrändern durch genaue Justiermöglichkeit
  • Ohne Filmhalter können auch Mittelformate direkt auf der Leuchtplatte digitalisiert werden
  • Die Leuchtplatte dient gleichzeitig als Hilfsmittel bei der Filmsortierung


  • Das Herstellen der nötigen Komponenten erfordert eine entsprechende Werkstattausstattung.






    Kamera und Objektiv

    Wer über kein Makroobjektiv mit entsprechendem Abbildungsmaßstab verfügt, kann mit Zwischenringen oder einem Balgengerät arbeiten. In meinem Fall verwende ich zwei Zwischenringe von 13 mm und 20 mm in Kombination mit einem Standard 50mm Objektiv. Meine Digitalkamera hat durch die Größe des Sensors eine Brennweitenverlängerung um den Faktor 1,5. Blende 8 mit einer Belichtungszeit von 1/6 s ergibt die besten Ergebnisse.




    Beleuchtung

    Als Belechtung dient eine LCD-Hintergundbeleuchtung eines Notebooks. Die Beleuchtungseinheit habe ich von allem Unnötigen befreit, mit einer Glasscheibe versehen und in ein eigenes Gehäuse gebaut. Eine Spannungsregelung (18,5V / 5V) und ein Steckernetzteil sind ergänzt. Die Beleuchtung ist sehr gleichmäßig weiß und wenig diffus.




    Einzelteile

    Die Kunststoffteile sind mit Hilfe der CNC-Fräse gefertigt. Hier die Klappe zum Niederhalten des Filmmaterials.


    Die Filmauflage ist eine aufwändige Konstruktion. Die rechte und linke Begrenzung für den Bildausschnitt kann einzeln verstellt werden, eine vertikale Verstellung ist insgesamt möglich. Alle Kunstoffteile sind sehr genau gefräst.


    Die Klappe zum Niederhalten des Fimmaterials in der Version mit einer Glasscheibe und noch ohne Justiermöglichkeit der seitlichen Bildbegrenzung.


    Die Halteplatte für die Kamera und die Objektivstützte sind verschieb- und fixierbar. Die Objektivstütze ist erforderlich, da das Spiel in der Mechanik (Bajonett, Ojektivfokus) zu groß ist. Ein Gegenstoßen würde sonst den Bildausschnitt jedesmal verstellen. Der stabile Aufbau erlaubt den Verzicht auf die Spiegelvorauslösung der Kamera. Das spart immerhin 3 Sekunden pro Bild.






    Erfahrungen

    Kratzer im Film werden erst durch diffuses oder schräg einfallendes Licht sichtbar. Eine LCD-Hintergrundbeleuchtung hat offensichtlich einen hohen Teil an parallelem Licht. Im Vergleich mit einem gekauften Scanner schneidet meine Variante deutlich besser ab. Das war das K.O.-Kriterium für den gekauften Scanner. Die Funktion der automatischen Kratzerentfernung über die Auswertung eines Infrarotbildes verbessert die Qualität nur unwesentlich.
    Hier ein direkter Vergleich:

    Mit einem Filmscanner (250,00 Euro Klasse) digitalisiert. Die Kratzer sind sehr deutlich zu sehen.

    Die automatische Wiederherstellung der Farben für dieses alte und verblichene Farbnegativ funktioniert gut.

    Mit der Digitalkamera abfotografiert. Die hellen Streifen am Kopf der Meerjungfrau sind Verschmutzungen an ihr selbst und keine Kratzer.

    Eine weitere Untersuchung des Effektes ist an folgenden Bildern zu sehen. Hier habe ich die Lichtquelle teilweise abgedeckt. Beim ersten Bild habe ich die LCD-Hintergundbeleuchtung ca. 8cm vom Negativ entfernt positioniert. Beim zweiten Bild ist die Beleuchtung diffuser, da sie ca. 25cm entfernt ist.


    Die Auflösung der Kamera (3008 x 2000) ist für die Digitalisierung ausreichend. Die Filmkörnung ist in der Regel merklich gröber. Allein bei knackscharfem Filmmaterial (Kodakchrome) würde eine höhere Auflösung von Vorteil sein.

    Die Farbtiefe bei Verwendung des JPG-Formates ist 8 Bit. Altes Fimmateial und Negative müssen grundsätzlich farblich nachbearbeitet werden, eine Farbtiefe von 8 Bit hat sich bei mir als ausreichend erwiesen. Im unhandlichen RAW-Format ist die Nachbearbeitung deutlich aufwändiger. Wichtig ist, den Weißabgleich der Kamera auf jedes Filmmaterial erneut einzustellen. Die Kamera arbeitet intern mit 12 Bit Farbtiefe und der 8 Bit Farbraum verschiebt sich so in den entscheidenden Bereich. Die Kamera verteilt intern den Helligkeitsbereich des Bildes relativ gut auf diese 8 Bit. Diese Erkenntnis hat mich unzählige Experimente gekostet, Kompromisse würde ich hier nicht eingehen.

    Hinter Glas gerahmte Dias werden oft nach einigen Jahren, und nicht ganz trockener Lagerung, durch Pilze befallen. Die Reinigung alter Dias erfolgt bei Bedarf mit einem Gemisch aus 90% Spiritus und 10% Wasser und einem Mikrofasertuch.

    Eine sichere digitale Archivierung ist heute nicht bekannt. Auf keinen Fall sollte eine digitale Sicherung die originalen Filmstreifen ersetzen. Meine Dias habe ich von den Rahmen befreit und spare somit bei der Lagerung (trocken und dunkel) erheblich Platz. Die digitalisierten Fotos werden auf einer DVD-RAM abgelegt.



    Ein weiteres Projekt aus dem Bereich der Fotografie:
    Umbau PK-Objektiv


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